Zwischen Fettnäpfchen und geheimer Mission

 Sein Name ist Laschet, Armin Laschet, und in David Safiers neuem Roman "0-0-Laschet" macht der CDU-Politiker nicht nur Karriere als Bundespräsident, sondern stolpert in eine Agentenrolle. Denn sein neuer Job, so lernt er gleich am ersten Tag im Schloss Bellevue, ist nicht etwa, oberster Repräsentant des Landes zu sein, Staatsgäste zu empfangen und staatstragende Reden zu halten. Nein, er ist in seiner Rolle auch Steigbügelhalter und Türöffner für einen streng geheimen Geheimdienst, der Schloss Bellevue buchstäblich unterhöhlt hat für den Aufbau seiner Zentrale. 

Das ist nicht die einzige Überraschung für Armin, der sich irgendwie sehr schnell ins Aachener Reihenhaus und das bürgerliche Familienleben zurücksehnt. Seine neue Social-Media-Beraterin entpuppt sich nicht nur als die einstige Nachbarstochter, für die er immer noch "Onkel Laschi" ist - die junge Frau ist Top-Agentin in dem erwähnten Geheimdienst - und Laschet muss sich mal eben in den Buckingham Palace einladen lassen, um ihr dort Ermittlungen zu ermöglichen.

Dort trifft er nicht nur Charles, Camilla und George Clooney, sondern trampelt auch sehr schnell in das eine oder andere Fettnäpfchen. Das diplomatische Parkett ist offenbar noch glatter als Parteizentralen voller ränkeschmiedender und intriganter Parteifreunde! Doch das ist nur der Anfang eines harsträubenden Abenteuers, um eine gobale Verschwörung mit katastrophalen Auswirkungen für die ganze Welt aufzudecken. Dabei freundet sich Laschet zunehmend mit der Idee an, mal eben die Welt retten zu wollen, wobei seine freundliche und mitunter doch recht tolpatschige Art angesichts abgefeimter Gegenspieler so manche schwierige Lage zur Folge hat.

Nach der ermittelnden Altkanzlerin Angela Merkel hat Safier erneut einen poltischen Protagonisten für einen Cozy-Agentenkrimi in den Mittelpunkt gestellt. Wie auch bei den Miss Merkel-Romanen gibt es ein paar Seitenhiebe auf die Politik, ohne dabei irgendwem wirklich weh zu tun. Und manches ist ein wenig arg klamaukig. Trotzdem ein liebenswerter Protagonist, der sich mit geradezu kindlichem Staunen in einer Welt behaupten muss, die eigentlich ein bißchen groß für ihn ist. Dass es bei allen Turbulenzen und Gefahren nur auf ein happy end hinauslaufen wird, versteht sich dabei von selbst.

In der Hörbuchversion ist Sprecher Thomas Nicolai ein bißchen im Nachteil gegenüber den Miss Merkel-Romanen, in denen die Sprecherin so wunderbar "merkeln" konnte. Original-Laschet ist da  weniger akkustisch-eindringlich in Erinnerung geblieben. Teilweise trägt der Sprecher zudem ein bisschen dick auf - manchen mag das gefallen, gerade in einem satirisch angelegten Hörbuch. Ich fand es ein bißchen too much.


David Safier, 00-Laschet

Gesprochen von Thomas Nicolai

Argon 2026

7 Stunden 12 Minuten, 20 Euro

9783839822210


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