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Zwischen Fettnäpfchen und geheimer Mission

 Sein Name ist Laschet, Armin Laschet, und in David Safiers neuem Roman "0-0-Laschet" macht der CDU-Politiker nicht nur Karriere als Bundespräsident, sondern stolpert in eine Agentenrolle. Denn sein neuer Job, so lernt er gleich am ersten Tag im Schloss Bellevue, ist nicht etwa, oberster Repräsentant des Landes zu sein, Staatsgäste zu empfangen und staatstragende Reden zu halten. Nein, er ist in seiner Rolle auch Steigbügelhalter und Türöffner für einen streng geheimen Geheimdienst, der Schloss Bellevue buchstäblich unterhöhlt hat für den Aufbau seiner Zentrale.  Das ist nicht die einzige Überraschung für Armin, der sich irgendwie sehr schnell ins Aachener Reihenhaus und das bürgerliche Familienleben zurücksehnt. Seine neue Social-Media-Beraterin entpuppt sich nicht nur als die einstige Nachbarstochter, für die er immer noch "Onkel Laschi" ist - die junge Frau ist Top-Agentin in dem erwähnten Geheimdienst - und Laschet muss sich mal eben in den Buckingham Palace ein...

Alles für das Traumhaus

 Wer  in attraktiven Großstädten mit einem recht hohen betuchten Bevölkerungsanteil in jüngster Zeit auf Wohnungssuche war, weiß - das ist Psychostress pur. Wie die Suche nach einer eigenen Immobilie ist, kann ich mir da nur vorstellen. In Marisa Kashinos Psychothriller "Tödliches Angebot" hat dieser Stress, wie der Titel bereits verrät, fatale Folgen. Ich-Erzählerin Margo hat klare Vorstellungen von der Zukunft mit Ehemann Ian: Ein harmonisches Familienleben im Eigenheim in einem der guten Vororte Washingtons, mit Zugang zu guten Schulen. Ein Leben, wie sie es in ihrer eigenen Kindheit nicht hatte. Für diesen Traum ist sie bereit, notfalls über Leichen zu gehen. Und das ist keinesfalls symbolisch gemeint. Seit 16 Monaten leben Margo und Ian in einer kleinen Mietwohnung, mehr als ein Dutzend mal sind sie im Bieterkrieg um Immobilien gescheitert. Die Enge in der Wohnung, die Enttäuschung nach jedem gescheiterten Gebot, die immer lauter tickende biologische Uhr der fast 38-jähr...

Was wurde aus Gereon Rath? Besuch in einer Seniorenresidenz

Mit «Rath», dem zehnten Band der historischen Krimis um den Berliner Ermittler Gereon Rath, hatte Volker Kutscher im vergangenen Jahr die düstere Atmosphäre der Reihe noch einmal auf die Spitze getrieben. Tod, Verrat und Gewalt allerorten, im Berlin des Jahres 1938 ohnehin, aber auch im Leben seiner Protagonisten. Das passte zum Noir-Charakter der Reihe,  sosehr manche Leserinnen und Leser auf einen optimistisch-versöhnlichen Schluss gehofft haben mögen. So ganz haben Gereon Rath, Charlotte Richter und die anderen Figuren des Romans den Autor aber wohl doch nicht losgelassen - mit «Westend» wird nun die Reihe außerhalb der Reihe in Form eines illustrierten Romans in Zusammenarbeit mit der Illustratorin Kat Menschik ergänzt. Und ein Hörbuch gibt es auch - mit so bekannten Schauspielernamen wie Walter Kreye, Leslie Malton, Timo Weisschnur und Julian Mehne als Sprecherin und Sprecher. Entsprechend erinnert das Audiobook an eine Art Kammer-Hörspiel. Besonderes Detail - Mit zwei Stunden...

Dickhäuter an der Spree

  Von Gaea Schoeters Roman "Die Trophäe" war ich sprachlich und inhaltlich begeistert - die Spannung auf ihren neuen Roman "Das Geschenk" war also groß. Vergleichen lassen sich beide Bücher nicht, Schoeters  hat sowohl einen anderen Stil als auch ein anderes Thema gewählt (auch wenn es in gewisser Weise durchaus um Afrika geht). Aber auch diesmal wieder großes Lesevergnügen, diesmal mit einer etwas heitereren und zugleich bissigen Note und scharfsinnigem Blick der flämischen Autorin auf den (Berliner) Politikbetrieb. In der Hörbuchversion ist Sprecher Johann von Bülow lässig-souverän und setzt den Charakter des Romans passend um Vermutlich war es eine kleine Zeitungsnotiz, die Schoeters zu ihrem neuen Roman inspirierte, als nämlich der Präsident Botswanas nach deutscher Kritik am geplanten Abschuss tausender Elefanten damit drohte, einfach die Elefanten stattdessen ins ach so besorgte Deutschland zu schicken. Genau dies geschieht in "Das Geschenk" - plötzl...

Die Vier vom Donnerstagsmordclub als Codeknacker

 Andere Senioren mögen Kreuzworträtsel lösen und Gedächtnistraining machen - das Quartett des Donnerstagsmordclub betätigt sich statt dessen als Codeknacker in Richard Osman´s "Der Donnerstagsmordclub und der unlösbare Code." Von Ruhestand kann bei den mittlerweile immerhin über 80-Jährigen trotz scheinbar beschaulicher Seniorenresidenz wirklich keine Rede sein. Dabei hatte ich schon befürchtet, der vierte Band könnte so eine Art Schwanengesang sein. Doch weit gefehlt - auch wenn das Alter und seine Einschränkungen durchaus zu Einschränkungen führen und der Gedanke an die eigene Endlichkeit nie ganz weg - Joyce, Elisabeth, Ibrahim und Ron stellen sich auch weiter den Herausforderungen.  Im Fall von Joyce: Die Hochzeit ihrer Tochter. Endlich! Und sogar mit einem ausnehmend sympathischen Schwiegersohn! Im Fall von Ron: Seinen Schwiegersohn hat er ja noch nie sonderlich gemocht. Aber dass die Ehe seiner Tochter mit einem koksenden Kriminellen von Gewalt geprägt ist, das hat er n...

Miss Merkel und der tote Weihnachtsmann

 Noch verfärben sich die Blätter, doch bei Altkanzlerin Miss Merkel in der Uckermark weihnachtet es sehr. Und natürlich gibt es, wenn David Safier die Ex-Kanzlerin samt Entourage ermitteln lässt, schon bald die erste Leiche: Ein toter Weihnachtsmann steckt im Kamin der Merkels fest. Was diese erst im neuen Jahr bemerkt hätten, wenn sie ihren Weihnachtsurlaub bei den Obamas auf Hawaii nicht vorzeitig abgebrochen hätten.  Dass die beiden weder im Whirlpool noch in der Strandvilla so gar nicht die Hände voneinander lassen können, hat die Gäste ebenso genervt wie makrobiotische Gemüseshakes. Bodyguard Mike wiederum litt unter der Häme der Secret Service Beamten, die über seinen Bauchansatz lästerten. Nein, dann doch lieber die Gemütlichkeit der Uckermark mit Weihnachtsplätzchen ohne Schuldgefühlen! Auch in besinnlicher Weihnachtsatmosphäre lässt sich Hobby-Ermittlerin Merkel nicht vom wesentlichen Ablenken, nämlich der Frage: Wer hat einen mörderischen Hass auf Weihnachtsmänner en...

Ein Serienmörder im Revier der Tegernsee-Cops?

 Andreas Föhrs Tegernsee-Kommissare haben Kultcharakter - der dauerfröstelnde Kriminalkommissar Wallner und der unorthodoxe "Leichen-Leo" Kreuthner, der zwar eigentlich zur uniformierten Polizei gehört, aber eigentlich auch Kripo-Mitglied ehrenhalber sein könnte. Das gilt umso mehr, wenn Michael Schwarzmeier in der Hörbuchversion den Beamten mit spürbarem Vergnügen seine Stimme leiht. Der nunmehr zwölfte Band der humorigen Regionalkrimi-Reihe, "Bodenfrost", war für mich daher ein Muß und hat einmal mehr überzeugt. Föhr führt einmal mehr durch mehrere Zeitebenen: Ausgerechnet beim Kinderfest der Miesbacher Polizei, organisiert von Kreuthner, wird die Leiche eines Brauereibesitzers gefunden. Der Name lässt aufhorchen - da war doch erst vor wenigen Wochen was? Die Ehefrau des Mann war am Steilufer der Mangfall aufgefunden worden, mit Amnesie und offenbar suizidgefährdet, kurz nach einer Vermisstenmeldung des kontrollverliebten Gatten. Keine gute Ehe, wie sich zeigt, ge...