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Zimmermädchen Molly Gray ermittelt wieder

 Mit "Ein mysteriöser Gast" von Nita Prose gibt es ein Wiedersehen - in diesem Fall ein Wiederhören - mit Molly Gray und dem fünf Sterne Boutique-Hotel Grand Regency. Und der Genuss ist gleich doppelt, denn in der Hörbuchversion gibt erneut Anna Thalbach Molly ihre Stimme und besticht mit ihrer unverwechselbaren Stimme und großartigen Interpretation der liebenswerten, aber eben auch etwas besonderen Molly. Seit ihrem ersten Fall hat Molly Karriere gemacht - sie ist jetzt Chefzimmermädchen und nimmt diese Aufgabe wie alles überaus ernst, ist ihr der Zustand allerhöchster Perfektion und Sauberkeit von Kindheit an ans Herz gelegt worden. Ihr zweiter Fall führt sie auch zurück in die eigene Vergangenheit, denn ein gefeierter Kriminalautor stirbt in dem von Molly liebevoll hergerichteten Teesalon des Grand Regency. Diesmal ist es nicht Molly, sondern ihr schüchternes Lehrmädchen, das unter Verdacht gerät, denn der Autor wurde offensichtlich vergiftet. Es versteht sich, dass die ni...

Schwester Holiday ermittelt

  Schwester Holiday, Mitglied eines kleinen Konvents von nur vier Nonnen in New Orleans und kurz vor ihrem "ewigen Gelübde", ist nicht gerade die typische Braut Christi. Zwar stammt sie aus einer streng katholischen Familie und ist tief gläubig, andererseits hat sie eine Vergangenheit als lesbische Punkrockerin, ist vom Hals abwärts ganzköpertätowiert und hat bei der Kombination Sex, Drugs & Rock nichts anbrennen lassen. Mit Schwester Holiday hat Margot Douaihy mit ihrem Kriminalroman "Verbrannte Gnade" eine ungewöhnliche Protagonistin geschaffen. In der Hörbuchversion findet Sprecherin Gisa Flake genau die richtige Mischung zwischen abgeklärter Schnoddrigkeit und emotionaler Intensität dieser Nonne mit sehr säkularer Vergangenheit. Die Entsagung von weltlichen Freuden, die sie bis dahin so lustvoll genossen hat, ist für Holiday auch ein Stück Wiedergutmachung für eine vergangene schwere Schuld und der Versuch, innere Heilung zu finden. Statt barbusig auf der Bü...

Sensitivity-Managerin ermittelt im Harz

  Hamburgerin Ariane bricht zu neuen beruflichen Feldern auf, nach ihrem Volontariat die erste Festanstellung für die Mittvierzigerin. Dafür kehrt sie Ehefrau Katja, Hund Woodie und der Großstadt den Rücken, um im Harz bei der örtlichen Tourismusorganisation als Sensitivity-Managerin zu arbeiten. Allerdings in der Außenstelle in Düsterode, wo sie schnell merkt, dass sie dicke Bretter bohren muss - ihre neuen Kollegen verfrachten sie am ersten Arbeitstag als Hexe vom Dienst in eine fensterlose Kammer. Sieht also nicht so aus, als ob ihr Bemühen um mehr Diversity und politische Korrektheit auf fruchtbaren Boden fällt. Doch Ariane, die mit ihren Sneakern auf die Berge des Harz ähnlich gut vorbereitet ist wie ihre neuen KollegInnen auf das angestrebte Sensitivity-Programm, gibt nicht auf in "Harz aber herzlich" von Peter Godazgar und Alexandra Kui, Unverdrossen, Fußblasen und wundgescheuerten Fersen trotzend, erklimmt sie ihren ersten Harz-Gipfel um ein sexistisch umgestaltetes W...

Alles fließt

 Es gibt Schriftsteller, die bleiben bei einem sicheren Erfolgsrezept und alle ihre Romane scheinen einander ein bißchen zu ähneln. Und es gibt andere, bei denen jedes neue Buch eine Überraschung ist: Wohin werden die Leser*innen als nächstes geführt? Elif Shafak, türkische Autorin im englischen Exil, gehört zu meinen Lieblingsautorinnen, seit ich sie mit "Unerhörte Stimmen" für mich entdeckt habe. Ihr neues Buch, "Am Himmel die Flüsse" bestätigt mich darin wieder. Wenn es einen roten Faden gibt, der sich durch Shafaks Bücher zieht, dann ist es nicht ein bestimmtes Sujet, sondern die poetische, bildhafte Sprache, ihre Positionierung für Menschen, die am Rand der Gesellschaft stehen oder anders sind als die in ihrer Umgebung. Ihr neues Buch spielt zwischen Themse und Tigris, verbindet die Liebe zu Dichtung und Geschichte mit Schicksalen zwischen 19. Jahrhundert und Gegenwart und lässt auch ein bißchen das alte Mesopotamien einfließen. Mit Pegah Ferydoni ist für die H...

Vom Hoffen und Verlieren

 Abschied und Verlust, Lebensüberdruss und kleine Freuden, Freundschaft und Teenager-Einsamkeit - mit "Der Bademeister ohne Himmel" schreibt Petra Pellini mit leichter Hand über schwere Themen. Die Autorin hat in der Pflege demenzkranker Patienten gearbeitet, und ihre Erfahrung ist in dem Buch über die ungewöhnliche Freundschaft der 15-jährigen Linda und dem 86-jährigen demenzkranken Nachbarn Hubert anzumerken. Nicht nur wegen der unsentimentalen und zugleich respektvollen Schilderung des Verschwindens Hubert in seiner eigenen Welt, sondern auch in der Beschreibung letzter Wochen, Tage, Stunden, bei denen man spürt: Sterbebegleitung ist Pellini nicht fremd. Eigentlich wollte sich Linda nur ihr Taschengeld aufbessern, als sie das Angebot von Huberts Tochter annahm, dreimal in der Woche Zeit mit dem alten Mann zu verbringen, während die polnische Pflegerin Ewa frei hat. Doch sie entwickelt ungeahnte Fürsorge und kreative Lösungen, um Hubert, dem ehemaligen Bademeister, ein paar...

Auswandererschicksal zwischen Irland und New York

 Eilish Lacey lebt mit ihrer verwitweten Mutter und der älteren Schwester Rose in einem kleinen Städtchen nahe der irischen Ostküste. Auch in der Mitte des 20. Jahrhunderts  durchlebt die Familie die für die Insel typischen Migrationsschicksale: Zu Hause gibt es keine Arbeit. Rose hat Arbeit als Sekretärin, doch für Eilish gibt es höchstens Gelegenheitsarbeiten. Die älteren Brüder sind schon in England, arbeiten in Fabriken in Birmingham. Mit Hilfe eines Priesters und unter gutem Zureden von Rose bekommt Eilish eine unbefristete Arbeitserlaubnis für die USA und eine  Stelle als Verkäuferin in einem Kaufhaus in Brooklyn - das ist der Ausgangspunkt von Colm Toibins Roman "Brooklyn". Es ist durchaus nicht Abenteuerlust, die Eilish auf die weite Reise führt. Ein wenig hat sie ein schlechtes Gewissen, denn sie weiß: Wenn sie weg geht, hat Rose, die ohnehin bereits 30 ist, die letzte Chance verpasst, eine eigene Familie zu gründen. Die Mutter und die Gemeinschaft werden von ihr...

Vom Luxusweibchen zurück in die rauhe Lebenswirklichkeit

 Ei guude, die Susanne Fröhlich kann ja hessisch babbele! Das ist eine Erkenntnis von Susanne Fröhlichs Roman "Geparkt", in der Hörbuchversion gesprochen von der Autorin selbst. Klingt wie bei meiner alten, Ur-Frankfurterin Nachbarin. Abgesehen davon ist der Frauen-Mallorcaroman um Luxusweibchen Monika, die in den vergangenen Jahren von ihrem Freund, Investment-Banker Sven, das Leben auf einer Finca auf Mallorca finanziert bekam und plötzlich in die rauhe Lebenswirklichkeit zurückgestoßen wird, ein leichter, eher vorhersehbarer Sommerroman über Frauenfreundschaft und das Prinzip "Rache ist süß". Monika wurde von Jugend an von ihrer ehrgeizigen, aufstiegsorientierten Mutter dazu getrimmt, dank ihrer äußeren Reize eine gute Partie zu machen. Mit Sven und dem süßen Finca-Leben samt Haushälterin scheint das gelungen sein, Bis dann eben Post vom Anwalt kommt, der sie zum Auszug drängt, aber dalli. Enddreißigerin Monika ist nicht länger zum Verwöhnen des Liebsten auf Mall...